Krankheitsgebiete
Psychopharmaka

Psychopharmaka sind Medikamente, die zur Behandlung  von psychischen Beschwerden und neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden.
Einige Psychopharmaka werden eingesetzt, um Symptome organischer Krankheiten zu behandeln oder als Narkosemittel. Die Zahl der Verordnungen von Psychopharmaka hat sich in den vergangenen  Jahren verdoppelt.
Bei psychischen Störungen sind neben der medikamentösen Behandlung weitere Interventionen, zumindest begleitende Gespräche, wichtig. Häufig werden sowohl Psychopharmaka als auch Psychotherapie in Kombination eingesetzt.

Einigen psychischen Erkrankungen liegen Störungen des Neurotransmitterhaushalts und neurophysiologische Veränderungen zugrunde. Einige Psychopharmaka zielen darauf ab, den gestörten Neurotransmitterhaushalt auszugleichen, andere richten sich mehr auf die Neujustierung physiologischer Effektorstrukturen.
Psychopharmaka sind unter anderem:
Antidepressiva (wirken stimmungsaufhellend und antriebssteigernd oder angstlösend und antriebsdämpfend, werden eingesetzt bei verschiedenen Formen von Depressionen)

Neuroleptika (wirken beruhigend und dämpfend, z.T. antipsychotisch, sie werden bei der Schizophrenie im akuten Anfall und zur Langzeitbehandlung eingesetzt)

Tranquillantien (wirken beruhigend, angstlösend, schlaf fördernd und teilweise muskelentspannend, sie können wegen des hohen Suchtpotentials nur zeitlich begrenzt  verordnet werden)

Psychostimulantien und Halluzinogene.

Psychopharmaka gehören zur Standardtherapie in der Psychiatrie. In den letzten Jahren gerieten sie verstärkt in Kritik – die Verschreibungshäufigkeit hat massiv zugenommen.

Nebenwirkungen
Neuroleptika: vom Zentralnervensystem ausgehende Bewegungsstörungen, starkem Bewegungsdrang und Parkinsonsyndrom
Antidepressiva: Trockenheit von Schleimhäuten, Verstopfung, Gewichtszunahme, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Zittern, Lust- und Potenzstörungen, Halluzinationen.
Tranquilizer: Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, eingeschränktes Reaktionsvermögen, bei Älteren auch Erregungszustände und Verwirrtheit.
Die meist verwendeten Wirkstoffe - Benzodiazepine (z.B. Valium®) – haben bei längerer Einnahme die Gefahr der Abhängigkeit und dürfen deshalb nur zeitlich begrenzt verordnet und eingenommen werden. Wirkung und Nebenwirkungen werden verstärkt bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol oder manchen Schmerzmitteln.

Psychopharmaka entfernen nicht die Krankheit, aber sie können helfen, die quälenden Symptome zu lindern oder sogar zum Verschwinden zu bringen. Sie können die Lebensqualität des Patienten verbessern und ihm bestenfalls einen normalen Alltag ermöglichen. Psychopharmaka sind nur Hilfsmittel. Wichtig ist die kompetente Betreuung des Betroffenen. Psychopharmaka sollten nicht als einzige Therapieform gewählt werden, sondern gleichwertig neben psycho- und soziotherapeutischen Maßnahmen stehen. Die Medikamente helfen, die akute Situation in den Griff zu bekommen und schaffen die Möglichkeit, dass der Patient eine tragfähige Beziehung zum Therapeuten aufbauen kann.

Derzeit befinden sich mehrere hundert Psychopharmaka im Handel.
Ein Großteil dieser Psychopharmaka ist entbehrlich.
Die WHO hat ganze sechs davon in ihre Liste der unentbehrlichen Medikamente aufgenommen. Als Tranquilizer seien beispielhaft Diazepam oder Lorazepam erwähnt, zur Behandlung von Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis und der Manie bedarf es eines hochpotenten und eines niederpotenten Neuroleptikums, z. B. Haloperidol  und Thioridazin.
Außerdem wird ein Depotneuroleptikum zur Langzeitbehandlung benötigt, z. B. Fluphenazin-Decanoat.
Von den Antidepressiva wird ein trizyklisches benötigt, z. B. Amitriptylin
und ein Serotoninwiederaufnahmehemmer, z. B. Fluoxetin. Schließlich wird noch ein Lithiumsalz zur Langzeitprophylaxe der manisch-depressiven Krankheit benötigt.

 

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