Krankheitsgebiete

Das Tourette-Syndrom wird als eine komplexe, gewöhnlich familiär gehäuft auftretende, neuropsychiatrische Störung bezeichnet, die mit vielseitigen motorischen und vokalen Tics verbunden ist, die nicht unbedingt gleichzeitig auftreten müssen aber über die Zeit in Art, Häufigkeit und Intensität schwanken. Der Beginn liegt um das 7. Lebensjahr, kann aber auch schon früher eintreten. Eine Diagnose kann erst gestellt werden, wenn die Symptomatik mindestens 12 Monate bestanden hat. 

Obwohl die genauen Ursachen und Mechanismen der Tics noch unbekannt sind, ist sicher, dass das zentralnervöse Überträgersystem des Dopamins im motorischen Regelsystem gestört ist und daher eine mangelnde automatische Kontrolle der andrängenden motorischen und vokalen Tics fehlt.

Tic-Arten
Beim Tourette Syndrom treten motorische und vokale Tics auf. Unterschieden werden diese in:

Motorische Tics  
einfache motorische Tics komplexe motorische Tics
Augenbewegungen  Gesten und Bewegungen mit den Augen und dem Kopf 
Mundbewegungen  Beugen oder sich winden 
Gesichtsgrimassen  Drehen um die eigene Achse 
Kopfschleudern  Selbstverletzendes Verhalten 
Augenblinzeln  Gesten mit Arm, Hand oder Schulter 
Beinbewegungen  Kopropraxie 
Armbewegungen  Echopraxie 
Nasenbewegungen   
Schulterziehen   
Vokale Tics   
einfache vokale Tics  komplexe vokale Tics 
Räuspern  Silben 
Pfeifen  Atypische Sprachwendungen 
Husten  Wörter 
Schnüffeln  Koprolalie 
Grunzen  Echolalie 
Tierlaute   

Behandlung

Wie es zu dieser Störung kommt, ist noch immer nicht geklärt.
Bisher geht man von einer Fehlfunktion im Hirnstoffwechsel aus.

In den meisten Fällen lässt sich ein Tourette Syndrom sehr gut behandeln.
Es gibt reichhaltige Therapieformen, die an die Schwere der Symptome und den Betroffenen angepasst werden müssen.
Dazu gehören fachliche Informationen über die Erkrankung, die damit verbundenen Probleme, Beratung des Betroffenen, deren Angehörigen und weiterer Bezugspersonen.
Meist umfasst eine Therapie ein verhaltenstherapeutisches verfahren mit Entspannungstechniken, Wahrnehmungstraining sowie, falls es erforderlich ist, eine medikamentöse Behandlung.

Da die Therapiemöglichkeiten sehr vielfältig sind, sollte beachtet werden, wie schwer die Symptome sind und wie die Beeinträchtigung von Betroffenen und Angehörigen sind.
Bei leicht Betroffenen reicht es schon oft aus, den Betroffenen und die Angehörigen ausreichend zu informieren.

Bei stärkeren Einschränkungen ist eine psychotherapeutische Behandlung, sowie eine medikamentöse Behandlung oft sinnvoll.

Zu den nichtmedikamentösen Therapien gehört die Psychotherapie. In dieser sollten alle Angehörigen einbezogen werden. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können Strategien erarbeitet werden, welche zu einer angemessenen Krankheitsbewältigung führen.
Hierzu gehören z.B. Verfahren zur Stressbewältigung, da diese auch gut für Betroffene mit den Komorbiditäten ADHS und Zwangsstörungen sind.

Eine psychotherapeutische Therapie hilft dem Betroffenen seine Wahrnehmung zu verbessern und somit einem Tic entgegenzusteuern.
Allerdings ist dies bei kleineren Kindern noch nicht möglich.

Ebenso sind Entspannungstechniken sehr sinnvoll, wenn der Betroffene durch die Schwere der Tics nicht zur Ruhe kommt.

Klassifikationen

F95.- Ticstörungen
 
Vorwiegendes Symptom ist meist ein Tic. Ein Tic ist eine spontane, rasche, wiederholte, nichtrhythmische Bewegung von Muskelgruppen oder eine Lautproduktion, die unerwartet einsetzt und keinem erkennbaren Zweck dient.
Üblicherweise werden Tics als nicht willkürlich beeinflussbar erlebt, sie können jedoch erfahrungsgemäß für einige Zeiträume unterdrückt werden. Belastungen können sie intensivieren, während des Schlafens verschwinden sie.
Häufige einfache motorische Tics sind Blinzeln, Kopfwerfen, Schulterzucken oder Grimassieren.
Häufige einfache vokale Tics sind z.B. Räuspern und Schnüffeln. Komplexe Tics sind z.B.Springen und Hüpfen.
Komplexe vokale Tics sind die Wiederholung bestimmter Wörter oder Sätze.

F95.0 Vorübergehende Ticstörung 

Bei einer vorübergehenden Ticstörung sind die allgemeinen Kriterien für eine Ticstörung erfüllt, allerdings halten die Tics nicht länger als 12 Monate an. Diese Tics sind vielfach Grimassieren, Blinzeln oder Kopfschütteln.  

F95.1 Chronische motorische oder vokale Ticstörung 

Die Chronische motorische oder vokale Ticstörung erfüllt die allgemeinen Kriterien für eine Ticstörung, wobei die motorischen oder vokalen Tics nicht zugleich auftreten, sondern einzeln, meist jedoch vielfältig auftreten und länger als ein Jahr andauern.  

F95.2 Kombinierte vokale und multiple motorische Tics (Tourette-Syndrom) 

Das Tourette-Syndrom ist eine Form der Ticstörung, bei der gegenwärtig oder in der Vergangenheit gemischte motorische Tics und ein oder mehrere vokale Tics vorgekommen sind, die aber nicht unbedingt gleichzeitig auftreten müssen.
Die Störung verschlechtert sich meist während der Entwicklung zwischen Kindheit und Erwachsensein und neigt dazu, bis in das Erwachsenenalter anzuhalten. Die vokalen Tics sind häufig verschieden mit explosiven Wiederholungen, Räuspern und Grunzen sowie dem Gebrauch von obszönen Wörtern. Manchmal besteht eine begleitende gestische Echopraxie, die ebenfalls obszöner Natur sein kann (Kopropraxie).
 

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